Der Tag, Ferdinand Hodler (1906)
Während sein Frühwerk ein opulentes Zeugnis des Realismus ablegt, wendet sich Ferdinand Hodler in den 1890er Jahren dem Symbolismus zu, einer Reaktion auf Naturalismus und Materialismus, die gerade dabei ist, ihre eigenen mystisch-spirituellen Motive zu entdecken.
In seinem Gemälde Der Tag versuchte Hodler, durch diese symmetrische Komposition die gesamte Existenz aller Dinge - mineralisch, organisch und geistig - darzustellen. Der anbrechende Tag wird durch fünf junge Frauen symbolisiert, die der Künstler auf seiner monumentalen, querformatigen Leinwand nach einer strengen zentralen Symmetrie angeordnet hat. Sie verkörpern die einzelnen Phasen des Tagesanbruchs, vom ersten Schimmer bis zum vollen Tageslicht. Die zunehmende Helligkeit spiegelt sich in der Haltung der einzelnen Figuren wider, deren Gliedmaßen sich wie die Blütenblätter einer Blüte entfalten. Die Kurve des Horizonts und das helle Wolkenband spiegeln den Verlauf ihrer Bewegung wider, die ihren Höhepunkt in der zentralen Figur erreicht, die die Spiritualität darstellt.
